
Der Vorstand der BernPride begleitet das Organisationskomitee bei der Planung und Durchführung der BernPride. Gemeinsam werden Entscheidungen getroffen, Partnerschaften aufgebaut, politische Themen diskutiert und die Weiterentwicklung der BernPride vorangetrieben – dies ehrenamtlich und neben Beruf, Studium oder anderen Verpflichtungen. Im Gespräch erzählen sie von ihrer Motivation, den Herausforderungen hinter den Kulissen, der Bedeutung von Solidarität – und davon, worauf sie sich an der diesjährigen BernPride am meisten freuen.
Was machst du neben deinem Engagement bei der BernPride?
Lena: Ich zeichne und male gerne, treffe mich mit Menschen, die mir wichtig sind, und probiere immer wieder neue Dinge aus.
Maria: Alles Mögliche – je nach Energie und Jahreszeit. Ich verbringe gerne Zeit in meinem Umfeld, entdecke neue Orte und versuche, neben all den Verpflichtungen auch Momente für mich selbst zu schaffen.
Christian: Neben der BernPride bin ich begeisterter Tabletop- und Boardgame-Spieler. Und als Berner findet man mich im Sommer natürlich oft an, in oder auf der Aare.
Tim: Vor Kurzem habe ich Badminton für mich entdeckt! Neben der Arbeit geniesse ich meinen Balkon und verbringe möglichst viel Zeit mit den Menschen, die mir wichtig sind.
Worauf freust du dich bei der diesjährigen Pride am meisten?
Lena: Auf die Stimmung. Für mich ist es jedes Jahr das Schönste, die Freude in den Gesichtern der Menschen zu sehen.
Maria: Auf ein ausgelassenes, friedliches und buntes Fest mit ganz vielen Menschen. Die BernPride schafft jedes Jahr einen Raum, in dem man einfach sein darf.
Christian: Darauf, die Stadt Bern wieder mit tausenden tollen Menschen und Regenbogenfarben zu füllen.
Tim: Auf den einen Moment, in dem monatelange Arbeit plötzlich Realität wird. Wenn die Bühne aufgebaut wird, sich die Menschen für die Demo versammeln und die Stadt langsam bunt wird.
Was unterscheidet die BernPride von anderen Prides in der Schweiz?
Tim: Die BernPride ist die drittgrösste Pride der Schweiz. Trotzdem fühlt sich die BernPride unglaublich familiär an – charmant, nahbar und irgendwie «klein & fein». Ausserdem kann kaum eine andere Pride mit einer Kulisse wie der Berner Altstadt oder einem Festival direkt vor dem Bundeshaus mithalten.
Warum ist euch Transparenz als Verein so wichtig?
Lena: Die BernPride ist ein Anlass für die Community – nicht für uns als Organisationskomitee. Sie lebt von all den Menschen, die die Stadt an diesem Tag bunt machen. Deshalb ist es uns wichtig, die Community auch unter dem Jahr mitzunehmen und offen darüber zu sprechen, was hinter den Kulissen passiert, welche Herausforderungen es gibt und wie wir arbeiten.
Wie abhängig ist eine Pride heute von Sponsoring, Gastro-Umsätzen oder öffentlicher Unterstützung?
Maria: Die Gastro-Umsätze sind für uns enorm wichtig. Gleichzeitig stehen wir finanziell stark unter Druck. Umso dankbarer sind wir für Sponsor*innen, Partner*innen und Unterstützer*innen, die helfen, die BernPride überhaupt möglich zu machen. Oft bewegen wir uns finanziell auf sehr engem Raum.
Kritiker*innen sagen oft, Pride werde zu kommerziell. Wo seht ihr die Grenze zwischen notwendiger Finanzierung und Pinkwashing?
Christian: Ein so grosses Event auf die Beine zu stellen, kostet viel Geld – und wir merken jedes Jahr, wie knapp die Finanzierung ist. Idealerweise könnte eine Pride vollständig von der Community getragen werden, aber aktuell sind wir auf Sponsoring angewiesen. Gerade deshalb ist es wichtig, genau hinzuschauen: Unterstützen diese Unternehmen queere Menschen auch ausserhalb des Pride-Monats? Teilen sie unsere Werte glaubwürdig?
Welche Anforderungen stellt ihr an Partnerinnen und Sponsorinnen?
Tim: Die BernPride arbeitet mit Partner*innen zusammen, die unsere Werte glaubwürdig mittragen und Vielfalt, Respekt sowie Gleichstellung aktiv unterstützen. Dafür haben wir ein klares Anforderungsprofil definiert, das unsere Partner*innen erfüllen müssen. Uns ist wichtig, dass Kooperationen nicht nur sichtbar, sondern auch inhaltlich zur BernPride und zur queeren Community passen.
Sehr vieles passiert im Ehrenamt. Wo stösst dieses Modell an seine Grenzen?
Maria: Der Aufwand hinter einem Ehrenamt wird oft unterschätzt. Es ist zeitintensiv, emotional fordernd und manchmal auch belastend. Gleichzeitig haben sich nach vier Jahren BernPride viele Abläufe und Automatismen entwickelt, die heute besser greifen und vieles erleichtern. Trotzdem bleibt es ein grosses Engagement, das ohne die vielen freiwilligen Menschen nicht möglich wäre.
Wo muss die queere Community selbst stärker mit anpacken?
Christian: Natürlich wünschen wir uns mehr Menschen, die sich als Volunteers oder im Organisationskomitee engagieren. Aber auch ausserhalb der BernPride ist es wichtig, Begegnungsorte zu schaffen, sich zu vernetzen und gemeinsam Politik für die Community zu machen. Durch die BernPride habe ich selbst unglaublich viele bestehende Angebote kennengelernt – aber es gibt immer Raum für neue Ideen und neue Menschen, die sich einbringen möchten.
Wie wichtig ist Solidarität innerhalb der Community gerade jetzt?
Lena: Wir erleben wieder vermehrt Queerfeindlichkeit – und das macht Angst. Gerade deshalb ist Solidarität innerhalb der Community enorm wichtig. Die Community kann auffangen, schützen und Räume schaffen, in denen diese Angst zumindest für einen Moment Pause macht. Gemeinsam sind wir stärker als allein. Deshalb ist es wichtig, einander den Rücken zu stärken und darauf zu achten, dass alle Menschen ihren Platz in der Community haben. Für Diskriminierung darf es keinen Platz geben.
Wie sieht die BernPride in fünf Jahren aus?
Lena: Ich hoffe, genauso stark oder sogar stärker als heute: bunt, laut, fordernd und mit ganz viel Glitzer. Ein Ort voller Zusammenhalt, Sichtbarkeit und Lebensfreude.
Maria: Hoffentlich genauso lebendig und relevant wie heute!
Christian: Immer noch lautstark auf den Strassen und auf dem Bundesplatz – und genauso bunt wie bisher.
Tim: Ich wünsche mir eine BernPride, die weiterhin wächst – nicht unbedingt in ihrer Grösse, sondern in ihrer Wirkung. Gleichzeitig soll sie ein nachhaltiger, inklusiver und sicherer Anlass bleiben, der von einer starken Community getragen wird.



















